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Permanent Record – Meine Geschichte
 Autor: Edward Snowden  Verlag: Fischer  Seiten: 429  Übersetzer/in: Kay Greiners
Beschreibung:

Edward Snowden braucht man wohl kaum vorzustellen, auch wenn es schon fast neun Jahre her ist, seit er zum Whistleblower wurde. Als die ersten Computer in die Haushalte Einzug hielten, war er ein wissbegieriger Junge. Er stürzte sich auf diese neuen “Spielzeuge”, und die zunehmende Faszination führte zu einer Leidenschaft, die sein weiteres Leben prägte. Als Freak landete er in den Diensten des amerikanischen Geheimdienstes, wo mit Hochdruck am Systemwechsel gearbeitet wurde; die Zeiten, in denen ein Spion auf eine Person angesetzt wurde, waren längst vorbei. Stattdessen konnten mithilfe neuer technischer Möglichkeiten Daten weltweit von jedermann gesammelt und ausgewertet werden. Und 9/11 hat der Regierung genug Grund geliefert, diese Möglichkeiten ziemlich skrupellos einzusetzen. Doch damit  verstiess der amerikanische Geheimdienst gegen die Verfassung, was allerdings niemanden zu stören schien. Ausser Edward Snowden. Immer dringlicher meldete sich sein Gewissen und die Erkenntnis, dass “der Gesellschaft dienen” nicht unweigerlich auch heissen muss “dem Staat dienen”.

Der Rest ist Geschichte
Irgendwann konnte Snowden sein Wissen nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren und entschied sich, an die Öffentlichkeit zu gehen. Damit ging er nicht nur ein immenses Risiko ein – er musste die Dokumente ja unbemerkt kopieren und aus den Hochsicherheitsgebäuden hinaus schmuggeln – sondern er musste sich auch überlegen, welche Journalisten er kontaktieren wollte – auch das völlig geheim und verschlüsselt – und in welches Land er flüchten sollte; wer will schon Amerika als Feind haben, weil er einen politischen Verbrecher nicht ausliefert. Aber am schlimmsten war die Tatsache, dass er mit niemandem über seine Pläne reden konnte, auch nicht mit seiner grossen Liebe Lindsay. Ob er sie und seine Familie jemals wiedersehen würde?

Snowden erzählt chronologisch und setzt dabei die Geschehnisse, Wahrnehmungen und Gefühle in Relation zu späteren Empfindungen, und das ist eine grosse Stärke der Biografie. Er erzählt menschlich, ehrlich, manchmal augenzwinkernd und selbstironisch. Ich bin ihm unglaublich gerne gefolgt, mal mit angehaltenem Atem, mal schmunzelnd, mal kopfschüttelnd, wie unwissend und leider auch oft uninteressiert oder gutgläubig die meisten Bürger Regierungen gegenüber sind. Am meisten hat mich folgende Aussage beeindruckt: Wer sagt, er habe ja nichts zu verbergen, könnte genauso gut sagen, ihm sei die Redefreiheit egal, weil er nichts zu sagen habe, oder ihm sei die Pressefreiheit egal, weil er keine Zeitungen lese.

Ein überaus wichtiges Buch!
Als Snowden das Buch schrieb, lebte er bereits sechs Jahre in Moskau – zum grossen Glück zusammen mit Lindsay – und seinen Enthüllungen haben wir viele der heutigen Verschlüsselungstechniken im Internet zu verdanken, z.B. die https-Adressen. Tragisch mutet allerdings an, dass ein amerikanisches Gericht keinen Unterschied macht, ob jemand geheime Dokumente an die Öffentlichkeit oder an den Feind liefert. Ausserdem spielt es bei solchen Verhandlungen keine Rolle, dass der Angeklagte etwas für die Menschheit getan hat – es ist und bleibt Hochverrat. Snowdens Buch ist gerade in einer Zeit, in der viele von uns täglich mehrmals bedenkenlos ihre Zertifikate einlesen lassen, ungeheuer wichtig. Denn was Snowden ebenfalls sehr eindrücklich erklärt: Das “Löschen” von Daten ist eine Illusion. Alles wird gespeichert, und zwar für immer. Permanent eben.